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Wednesday, 10. March 2010

Wildes Leben auf Sparflamme

Reh im Schnee

(KStA vom 15.01.10; Malte Ewert) Wie sich Rehe, Wildschweine und andere Vierbeiner gegen den Winter wappnen

(Rhein-Berg.) Glücklich ist, wer sich angesichts von Schneegestöber und frostigen Temperaturen auf die heimische Heizung freuen kann. So gesehen sind die Rehe und andere wild lebende Tiere im Bergischen Land in diesen Tagen alles andere als glücklich. Der Schnee, der seit zwei Wochen liegt, schneidet sie von vielen Futterstellen ab. Und die Kälte zehrt zusätzlich an ihren Kräften. Was also tun Dam- und Schwarzwild, um den Winter zu überstehen? Sie haben eine ganze Menge Tricks auf Lager. Tricks, über die Menschen nur staunen können.

Die Kreisjägerschaft Rhein-Berg kennt sich aus mit dem Thema. Besonders beeindruckt sind die Waidmänner und -frauen von der Fähigkeit der großen Wildtiere, im Winter ihre Herzfrequenz verringern zu können. „Bei Hirschen und Rehen schlägt das Herz statt 60- bis 70-mal jetzt nur noch 30- bis 40-mal in der Minute“, berichtet Jägerschaft-Geschäftsführer Hans Erik Backhausen.

Das sei praktisch „ein Winterschlaf light“. Das Wild bewege sich nicht mehr als unbedingt notwendig. Diese Form des Energiesparens drosselt auch die Nahrungsaufnahme, so dass die Mengen, die noch im Herbst im Rehmagen landeten, jetzt gar nicht mehr erforderlich sind. Auch äußerlich hat sich einiges verändert. Die Tiere, die nicht im Winterschlaf liegen, haben ein dickes Fell angelegt, um keine Energie zu vergeuden. Das funktioniert so gut, dass zum Beispiel frisch gefallener Schnee auf dem Rücken der Tiere liegen bleibt und nicht taut. Unter dem Fell folgt eine Fettschicht, die im Herbst mit reichlich Eicheln und Bucheckern angefressen wurde. Sie dient als Isolierung und als Nahrungsreserve.

Dieses Leben auf Sparflamme hat auch einen Nachteil. Reh- und Damwild ist im Winter längst nicht so auf der Hut vor seinen natürlichen Feinden wie sonst. Wenn Spaziergänger im Königsforst ihre Hunde frei laufen lassen, muss das Wild plötzlich auf körperliche Höchstleistung umschalten. Das ist schwierig, wenn die Herzfrequenz nicht mitspielt. Gehetzte Tiere können auch sterben.

Die Jäger bitten deshalb darum, Hunde im Wald immer an der Leine zu führen. Die Nahrungsaufnahme im Winter ist ein weiteres Problem. Zwar gibt es einzelne Felder mit Zwischenfrüchten, die von Landwirten unangetastet bleiben. Auch legen die Jäger zum Schutz der Tiere Wildäcker an. Doch wenn eine dicke Schneeschicht diese Fressquelle versiegen lässt, überstehen das nur die Stärksten. Da möchte man als Reh doch lieber Zugvogel sein. Die sind längst in wärmere Gefilde abgehauen, wo man keine Schneeprobleme kennt. Auch Dachs und Eichhörnchen lässt der Winter kalt. Die einen hocken in ihrem frostfreien Bau tief unter den Erde und verschlafen die dunklen Monate. Die anderen haben sich darüberhinaus noch einen Vorrat an Leckereien in Form von Eicheln und Bucheckern angelegt.

Ganz schlau machen es die Fledermäuse. Die sind im Oktober in die Höhle ihres Vertrauens verduftet und schauen frühestens im April mal nach, wie es draußen denn so aussieht.

15.01.2010