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Montag, 06. September 2010

„Leckerlis“ fürs bergische Wildschwein

Köder ausgelegt: Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein, Kreisjagdberater Dieter Artz und Norbert Johnen. (Foto: Daub)
Dietmar Kremer und Alfred Schramm mit Stefanie Jaspert bei der Köderausgabe in Gronau. (Foto: Daub)
So sehen die Köder aus. (Fotos: Daub)

(BLZ vom 28.02.09) Kreis und Land starten Impfaktion gegen die Schweinepest – Gestern wurden Köder verteilt

RHEIN-BERG. Mit "Leckerlis" will der Rheinisch-Bergische Kreis jetzt für Gesundheit im Wald sorgen. NRW startet eine große Impfaktion gegen die Schweinepest – und Rhein-Berg ist seit gestern dabei.
Im Kreis gebe es 340 Köderablagestellen, sagten Dr. Thomas Mönig (Kreis) und Dr. Birgit Jahn (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) gestern in Gladbach. 2520 Impfplätze gibt es insgesamt im „Gefährdeten Bezirk“ von Rhein-Berg, Oberberg und Rhein-Sieg, der 1260 Quadratkilometer groß ist. Ziel im Kreis: Gut 75 Prozent der Tiere sollen erreicht werden.
Die Mais-Köder, die sich gestern die bergischen „Grünröcke“ im Kreishaus Gronau abholen konnten, haben die Größe einer Streichholzschachtel. Sie bestehen aus einer aromatisierten Fettmasse, in die eine Kapsel mit dem Impfstoff eingebettet ist. Die nach Mandel riechende „Streichholzschachtel“, ist für die Wildschweine „sehr attraktiv“ und wird „gut angenommen“. Mit dem Köder gelangt der Impfstoff auf die Maulschleimhaut der Tiere. In vier Wochen wird die Impfaktion wiederholt. So lange herrscht Jagdruhe. Neben der Jagd setzen die Behörden nun also auch aufs Impfen. In den Kreisen Euskirchen und Ahrweiler konnte durch die Kombination von gezieltem Jagen und Impfen die Krankheit erfolgreich bekämpft werden, heißt es beim Kreis. Die Wildschweine haben sich stark vermehrt und müssen gezielt und in größerem Umfang gejagt werden.
Euskirchen bekämpft schon seit dem Jahr 2001 die Schweinepest. Im Januar 2009 tauchte die Schweinepest in NRW auf. Bei 19 Wildschweinen konnte das Virus nachgewiesen werden, 18 Virus-Schweine stammten allein aus Rhein- Berg und Rhein-Sieg.
Im Kreis werden nun abgeschlossene Wildsammelstellen eingerichtet, eine in Burscheid, eine an der A-4-Anschlussstelle Untereschbach. Die Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Kreis sei optimal, lobte Kreisjägerchef Hubertus Prinz zu Sayn- Wittgenstein. Neben dem großen Aufwand für die Köderauslegung sei zu bedenken, so der Prinz, dass pro Erlegung einer Wildsau etwa 30 Stunden Zeitaufwand anzusetzen seien. „Man kann nicht einfach sagen: ,Schießen Se mal gerade ’ne Sau’.“ Im hiesigen Bezirk wurden seit Anfang Januar 114 Schweine erlegt.
Mit der Impfaktion soll ein Übergreifen der Pest auf die rund 140 000 Hausschweine im gefährdeten Bezirk verhindert werden. Die Züchter wurden aufgerufen, ihre Bestände erst einmal abzubauen.

28.02.2009