Kampf gegen die Schweinepest
(KStA vom 10.01.09) Bisher unbekannter Virustyp – 2000 Tiere müssen untersucht werden Wahrscheinlich ist der Mensch schuld daran, dass in Rhein-Berg völlig überraschend die Schweinepest ausgebrochen ist.
Rhein-Berg - Seit Donnerstag haben die Behörden Gewissheit, dass ein in Rösrath erlegter Wildschwein- Frischling an der hochansteckenden Tierseuche erkrankt war. Als Auslöser werden infizierte Fleischreste vermutet, die im Müll oder in der freien Natur gelandet sind und von Wildtieren aufgenommen wurden. Kreisveterinär Dr. Thomas Mönig: „Das kann überall passiert sein – auch entlang der Autobahn oder an Raststätten.“ Es handelt sich um einen Virustyp, der hierzulande nahezu unbekannt ist. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein, schließt deshalb als Überträger sogar „eine Wurstscheibe aus dem Ausland, deren Fleisch ungenügend erhitzt worden ist“, nicht aus.
Ein Jagdaufseher hatte den Frischling kurz nach den Weihnachtstagen erlegt. Das Tier war ihm wegen des abgemagerten Zustands und des ungewöhnlich zutraulichen Verhaltens aufgefallen. Der Jäger verhielt sich vorbildlich und informierte das Kreisveterinäramt. Das schickte den Kadaver zur näheren Untersuchung nach Krefeld. Dort fand man erste Hinweise auf die Tierseuche. Letzte Gewissheit brachte eine Analyse des Friedrich- Löffler-Instituts auf der Insel Riems (Ostsee). Als am Donnerstag der Befund Schweinepest feststand, wurde umgehend ein „gefährdeter Bezirk“ eingerichtet, für den nun drastische Schutzmaßnahmen gelten. Zu diesem Bezirk gehören Rösrath, Teile der Städte Overath und Bergisch Gladbach, rechtsrheinische Stadtteile von Köln sowie Regionen des Rhein-Sieg-Kreises.
Die Kreisjägerschaft soll vermehrt Wildschweine schießen
Kreisveterinär Mönig ist zuversichtlich, „dass sich das Virus hier in der Region noch nicht sehr verbreitet hat. Genau dies müssen wir jetzt mit allen Mitteln verhindern.“ Folgende Schutzmaßnahmen sind angelaufen: Die Kreisjägerschaft soll vermehrt Wildschweine schießen, um die Population auszudünnen. Gleichzeitig werden im Wald Impfköder ausgelegt. Da die Schweinepest leicht auf Hausschweine überspringen kann, gelten auch für deren Halter im gefährdeten Bezirk besondere Regeln. Das Blut aller Tiere in der genannten Region muss untersucht werden. Es handelt sich um rund 2000 Schweine. Keines von ihnen darf den Hof verlassen, ohne dass eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegt.
Landrat Rolf Menzel versicherte, dass man die Öffentlichkeit zügig und umfassend über den Verlauf der Seuche informieren werde. Menzel: „Es gibt keinen Grund zur Hysterie, weil der Mensch sich mit dieser Krankheit nicht infizieren kann. Es droht aber ein großer wirtschaftlicher Schaden für die Tierhalter, wenn wir die Sache nicht in den Griff kriegen.“ Kreisveterinär Mönig und Jäger-Chef zu Sayn-Wittgenstein sehen die betroffenen Landwirte und die Jäger jetzt „in einer hohen Verantwortung“. Alle anderen Bürger müssten beherzigen, „dass man Nahrungsabfälle grundsätzlich nicht achtlos in die Landschaft werfen sollte“.


