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Montag, 06. September 2010

2000 Schweine in Gefahr

(BLZ vom 10.01.2009) Virus für Menschen ungefährlich, wirtschaftlicher Schaden ist aber groß

Auf Wildschweine wird in den kommenden Wochen verstärkt Jagd gemacht, um die Verbreitung der Seuche zu verhindern (Bild: dpa)

RHEIN-BERG. Aufregung in Rhein-Berg: Ein Krisenstab ist einberufen worden, annähernd der halbe Kreis gilt ab sofort als „gefährdeter Bezirk“. Der Grund: Die Schweinepest ist ausgebrochen.

Ein Jagdaufseher hatte an Weihnachten einen abgemagerten und offensichtlich kranken Wildschwein-Frischling in Rösrath gefunden und „erlöst“. Das Tier wurde vom staatlichen Veterinäruntersuchungsamt und, als sich Verdachtsmomente ergaben, vom zentralen Friedrich-Löff ler- Institut auf der Insel Riems untersucht.

Gestern der schockierende Befund: Schweinepest. Betroffen sind Rösrath sowie südliche Teile Overaths und Gladbachs. Thomas Mönig, Leiter des Kreisveterinäramts, machte den Ernst der Lage deutlich: „Es handelt sich um einen völlig neuen Virustyp, der bisher nicht gelistet ist.“ „Das neue Jahr fängt nicht gut an“, sorgte sich auch Landrat Rolf Menzel.

 Grund zur Hysterie, betonte der Kreishaus-Chef, gibt es jedoch nicht: Das Virus ist für den Menschen ungefährlich. Hausschweine jedoch können befallen werden, und von denen gibt es immerhin knapp 2000 im „gefährdeten Bezirk“.

Alle Schweinehalter in der Region werden in den kommenden Tagen Besuch von einem Tierarzt erhalten, der den Schweinen Blut abnimmt. Bis eindeutig klar ist, dass ihre Tiere nicht infiziert sind, unterliegen die Halter von Mastund Zuchttieren Handelsbeschränkungen. Und auch danach muss jedes Tier, das den Betrieb verlassen soll, untersucht werden. „Der wirtschaftliche Schaden ist immens“, sagt Kreislandwirt Lothar Stinn.

Wie es zum Ausbruch der Krankheit kommen konnte, weiß zurzeit niemand. Wahrscheinlich ist laut Mönig aber die Ansteckung durch Speisereste – also indirekt durch den Menschen, der diese unbedacht zurückgelassen hat. „Dazu reicht eine Scheibe einer ausländischen Wurst, etwa vom Balkan, die im Gelben Sack landet und dann in den Wald geschleppt wird“, machte Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein als Vorsitzender der Kreisjägerschaft anschaulich klar.

Es ist laut Mönig aber unwahrscheinlich, dass die bergischen Hausschweine befallen sind. „Die meisten Tiere sind wegen des Wetters im Stall, und sie haben ohnehin nur sehr selten Kontakt zu Wildschweinen.“ Aber: Das Virus kann eben auch über einen „Dritten“, etwa den Menschen, von Wild- zu Hausschwein übertragen werden.

In der Verantwortung stehen jetzt vor allem die Jäger, wie Sayn-Wittgenstein betonte. Sie sollten die noch bis Ende Januar geltende Jagdzeit nutzen, um gezielt Wildschweine zu schießen. „Die Zeit ist günstig“, erklärte Sayn-Wittgenstein, „durch Schnee und Mondschein sind die nachtaktiven Tiere besser zu erwischen.“ Erik Backhausen, Geschäftsführer der Jägerschaft, deutete sogar an, die Jagdzeit könne im Fall einer Weiterverbreitung verlängert werden.

Außerdem werden Impfköder ausgelegt, die nach rund zwei Wochen bei den Tieren anschlagen. Allerdings dürfen Hausschweine nach einer EU-Richtlinie nicht geimpft werden, was die Bekämpfung deutlich erschwert. „Das wird keine Sache von ein paar Monaten“, machte Kreisveterinär Mönig deutlich. Der Ausbruch der Schweinepest in Euskirchen und Ahrweiler beweist das: Rund fünf Jahre brauchte es dort, um die Seuche einzudämmen

 


SCHWEINEPEST


Die Schweinepest ist eine hochansteckende, fieberhafte Viruserkrankung, von der Hausschweine und Wildschweine betroffen sind. Die Erkrankung muss aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr dem Internationalen Tierseuchenamt in Paris gemeldet werden.

Die Inkubationszeit beträgt einige Tage, selten mehr als eine Woche. Die Sterblichkeitsrate variiert je nach Virusstamm und Alter des erkrankten Schweins. Ferkel und Frischlinge sind besonders gefährdet, sich anzustecken, bei ihnen beträgt die Sterblichkeitsrate bis zu 100 Prozent. Die Schweinepest weist sehr unterschiedliche Krankheitserscheinungen auf. Die Erkrankung kann akut, chronisch oder aber äußerlich unauffällig auftreten. Bei akutem Verlauf bekommen die Tiere hohes Fieber, Durchfall oder Verstopfung, Blaufärbung der Haut und neurologische Symptome wie etwa Lähmungen der Hinterbeine. Das Blutbild verändert sich, auf den Schleimhäuten und inneren Organen treten punktförmige Blutungen auf.

Beim subklinischen und chronischen Verlauf sind die Symptome schwächer. Die betroffenen Tiere bleiben über Monate bis zu ihrem Tod Virusausscheider. (amb)

 

 

10.01.2009